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Die Krankenschwester warnte mich, bevor mein Mann die Wahrheit verdrehte / Chapter 1 / 6

Chapter 1 — Die Krankenschwester warnte mich, bevor mein Mann die Wahrheit verdrehte

4.9Editorial score

Ethan griff nach meinem Handy, noch bevor das Video zehn Sekunden gelaufen war.

Dr.

Keller stellte sich zwischen uns und packte seinen Unterarm.

„Sie bleiben zurück.“

„Das ist mein Telefon genauso wie ihres“, fauchte Ethan.

„Nein“, sagte ich.

„Ist es nicht.“

Meine eigene Stimme überraschte mich.

Sie klang ruhig, obwohl mein Herz gegen meine Rippen schlug.

Auf dem Display war Noahs Kinderzimmer zu sehen.

Die kleine Kamera stand unsichtbar auf dem Bücherregal zwischen zwei Stofftieren.

Ethan trat ins Bild, schloss die Tür und prüfte, ob jemand im Flur war.

Dann zog er eine kleine braune Flasche aus der Innentasche seines Mantels.

Noah saß im Schlafanzug auf dem Bett und malte.

„Was ist das?“, fragte er.

„Vitaminmedizin.“

Ethan träufelte eine klare Flüssigkeit in Noahs Saft.

Noah schüttelte den Kopf.

„Mama sagt, ich darf nichts nehmen, was ich nicht kenne.“

Ethan beugte sich zu ihm hinunter.

Sein Gesicht veränderte sich.

Das freundliche Lächeln, das er für Nachbarn, Lehrer und Familienfotos benutzte, war verschwunden.

„Wenn du willst, dass Mama wiederkommt, trinkst du das.“

Auf dem Krankenhausflur wurde es vollkommen still.

Selbst die Sicherheitsmitarbeiter sahen nicht mehr mich an, sondern Ethan.

Im Video nahm Noah das Glas mit beiden Händen.

Er trank nur einen Schluck und verzog das Gesicht.

„Alles“, sagte Ethan.

„Ich will nicht.“

Ethan griff Noah am Kinn und hob das Glas erneut an seine Lippen.

Ich hörte hinter der Tür des Krankenzimmers ein ersticktes Geräusch.

Maya war zu Noah zurückgegangen und hielt ihm offenbar die Ohren zu, damit er die Aufnahme nicht noch einmal hören musste.

Ethan riss seinen Arm aus Dr.

Kellers Griff.

„Das ist manipuliert.

Sie versucht seit Monaten, mich zu zerstören.“

„Dann wird die Technik das feststellen“, sagte Dr.

Keller.

Das Video sprang zum nächsten gespeicherten Bewegungsalarm.

02:37 Uhr.

Ethan betrat das Zimmer ein zweites Mal.

Diesmal trug er Einweghandschuhe.

Er öffnete die Schublade meines alten Nachttisches und nahm eine Tablettenpackung heraus.

Ich erkannte sie sofort.

Es waren Beruhigungstabletten, die mir nach einer schweren Panikattacke zwei Jahre zuvor verschrieben worden waren.

Ich hatte nur wenige davon genommen und die Packung später in eine verschlossene Kassette gelegt.

Die Kassette war seit Wochen leer gewesen.

Ethan zerdrückte eine Tablette mit der Rückseite eines Löffels.

Er löste das Pulver in Wasser auf und füllte es in die braune Flasche.

Dann hörten wir Noahs verschlafene Stimme.

„Muss ich dem Arzt morgen wieder sagen, Mama war es?“

Dr.

Keller drehte sich langsam zu Ethan.

„Wieder?“

Ethan wurde blass.

Der Aufzug öffnete sich.