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Er flog zur Geliebten – doch die gefälschte Vollmacht blieb zurück / Chapter 5 / 6

Chapter 5 — Er flog zur Geliebten – doch die gefälschte Vollmacht blieb zurück

4.9Editorial score

Die Vollmacht sei mit meinem Wissen erstellt worden.

Ich sei nach seiner Abreise in Panik geraten und hätte aus Eifersucht versucht, ihn finanziell zu vernichten.

Der Gerichtssaal war klein, aber voll.

Vertreter der Bank, Daniela, Miriam und zwei Ermittler saßen hinter uns.

Richard Hale erschien mit einem eigenen Anwalt.

Melanie war nicht da.

Lucas sah mich an, als würde er erwarten, dass ich zusammenbreche.

Ich tat es nicht.

Sein Anwalt erklärte, Lucas habe lediglich versucht, eine gemeinsame geschäftliche Chance zu nutzen.

Das Geld auf dem Sparkonto sei eheliches Vermögen.

Die Reise nach Kalifornien habe nichts mit der finanziellen Auseinandersetzung zu tun.

Miriam wartete, bis er fertig war.

Dann legte sie die erste Mappe auf den Tisch.

Darin befanden sich die Originalunterlagen des Familientrusts.

Sie zeigten, dass Lucas keinerlei Eigentumsrechte an dem Mehrfamilienhaus besaß und dass jede Belastung Miriams schriftliche Zustimmung erforderte.

Die zweite Mappe enthielt die gefälschte Vollmacht und ein Gutachten eines Schriftsachverständigen.

Die dritte enthielt Lucas’ E-Mails an Richard.

Eine davon war besonders eindeutig.

„Anne wird am Flughafen eine Szene machen und danach tagelang nicht klar denken können.

Bis sie etwas merkt, ist die Auszahlung durch.“

Der Richter las den Satz zweimal.

Lucas’ Gesicht verlor jede Farbe.

Sein Anwalt flüsterte ihm etwas zu, doch Lucas schüttelte den Kopf.

„Diese E-Mail ist aus dem Zusammenhang gerissen“, sagte er.

„Dann sehen wir uns den Zusammenhang an“, erwiderte Miriam.

Daniela wurde aufgerufen.

Sie beschrieb das Treffen bei Stern & Cole und bestätigte, dass Lucas die Vollmacht persönlich vorgelegt hatte.

Anschließend wurde die Videoaufnahme abgespielt.

Auf dem Bildschirm saß Lucas am Tisch.

Richard zeigte auf die Stelle, an der angeblich meine Unterschrift stand.

Dann hörte man Lucas lachen.

„Meine Frau unterschreibt alles, was ich ihr hinlege.

Sie versteht von Geld nichts.“

Im Gerichtssaal bewegte sich niemand.

Lucas blickte starr auf den Tisch.

Doch Miriam war noch nicht fertig.

Sie rief Melanie Harper als nächste Zeugin auf.

Die Türen öffneten sich, und Melanie trat ein.

Sie trug ein schlichtes schwarzes Kleid und hielt eine Hand schützend vor ihren Bauch.

Lucas drehte sich so abrupt um, dass sein Stuhl über den Boden schabte.

„Was machst du hier?“, zischte er.

Melanie sah ihn nicht an.

Unter Eid erklärte sie, Lucas habe ihr erzählt, unsere Ehe sei längst beendet.

Ich wisse von ihrer Beziehung und wolle nur noch warten, bis sein angeblicher Auslandsvertrag beginne, bevor wir die Scheidung öffentlich machten.

Sie gab zu, vom gemeinsamen Sparkonto gewusst zu haben.

Lucas hatte ihr jedoch gesagt, das Geld stamme aus dem Verkauf einer Firma, die er vor der Ehe gegründet habe.

Von der gefälschten Vollmacht habe sie erst erfahren, als die Wohnung in Palm Springs storniert worden sei.

Dann reichte sie ihr Telefon an Miriam weiter.

Darauf befand sich eine Sprachnachricht, die Lucas ihr am Abend vor seinem Flug geschickt hatte.

„Sobald Anne am Flughafen ihre Abschiedsshow hinter sich hat, gehört unser Leben uns.

Das Geld kommt zuerst.

Das Haus danach.

Sie wird zu beschäftigt damit sein, mich zu vermissen.“

Ich sah zu Lucas.

Er hatte am Flughafen nicht nur meine Trauer beobachtet.

Er hatte sie eingeplant.