Wir müssen das nicht vor Fremden austragen.“
Ich musste beinahe lachen.
Noch vor wenigen Minuten hatte er zwei Angestellte, seinen Assistenten und seine Geliebte als Zuschauer gebraucht, um mich zu erniedrigen.
Jetzt störten ihn Fremde.
„Du wolltest Zeugen“, sagte ich.
„Jetzt hast du welche.“
„Ich war wütend.“
„Du warst vorbereitet.
Die Kameras wurden abgeschaltet.
Die Scheidungsunterlagen lagen bereit.
Vanessa hatte vor deinen Direktoren über mich gelogen.“
„Ich wusste nichts von den Kameras.“
Sein Assistent räusperte sich.
„Herr Parker, Sie haben mir heute Morgen persönlich gesagt, ich solle den Wartungsauftrag bestätigen.“
Ethan drehte sich langsam zu ihm.
„Überlegen Sie genau, wem Sie Ihre Karriere verdanken.“
Der Assistent sah auf den Bildschirm, auf dem mein Vater noch immer zugeschaltet war.
„Gerade deshalb überlege ich sehr genau.“
Auf dem Monitor erschienen nach und nach weitere Teilnehmer.
Mitglieder des Vorstands, Vertreter zweier Banken und der externe Compliance-Beauftragte.
Ethan hatte ihre Gesichter vermutlich tausendmal kontrolliert, überzeugt und eingeschüchtert.
Nun warteten sie auf ihn.
Der Vorstandsvorsitzende sprach zuerst.
„Herr Parker, aufgrund der neuen Informationen und des unmittelbaren Reputationsrisikos werden Sie mit sofortiger Wirkung von allen operativen Aufgaben freigestellt.“
„Sie können mich nicht entlassen.
Ich habe dieses Unternehmen aufgebaut.“
„Mit Kapital, das Ihnen nicht gehörte“, sagte mein Vater.
Ethan wandte sich dem Bildschirm zu.
„Herr Falkenberg, wir können eine Lösung finden.
Ihre Tochter ist emotional.
Wenn Sie die Sperren aufheben, garantiere ich Ihnen—“
„Sie garantieren mir gar nichts mehr.“
Die Stimme meines Vaters blieb leise.
„Ich habe Ihnen Geld gegeben, weil meine Tochter an Sie glaubte.
Ich habe Ihnen Zugang verschafft, weil sie Ihren Erfolg wollte.
Ich habe Sie nicht geprüft, um Ihre Würde zu schützen.“
Er beugte sich leicht zur Kamera.
„Sie haben diese Zurückhaltung mit Schwäche verwechselt.“
Ethan senkte die Stimme.
„Ich bin immer noch ihr Ehemann.“
„Nur noch auf dem Papier.“
Dr.
Keller schob die schwarze Scheidungsmappe zu mir.
„Die darin enthaltene Vereinbarung ist übrigens unwirksam“, sagte sie.
„Sie verschweigt Vermögenswerte, enthält falsche Angaben zur Eigentümerstruktur und wurde unter Zwang vorgelegt.“
Sie legte eine zweite Mappe daneben.
„Wir haben einen eigenen Antrag vorbereitet.“
Ich öffnete ihn nicht sofort.
Ethan beobachtete meine Hand.
„Du würdest wirklich alles zerstören, was wir gemeinsam aufgebaut haben?“
„Gemeinsam?“
Ich blickte auf die Villa, die Möbel, die Kunstwerke und die Menschen, die in seinem Haus gelernt hatten, bei seiner Grausamkeit wegzusehen.
„Du hast mir gerade erklärt, ich hätte nichts beigetragen.“
„Das war im Zorn.“
„Nein.
Das war das, was du glaubst.“