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Sie rettete den Milliardär – dann bedrohte sein Bruder ihre Mutter / Chapter 1 / 6

Chapter 1 — Sie rettete den Milliardär – dann bedrohte sein Bruder ihre Mutter

4.9Editorial score

Die Türklinke senkte sich langsam.

Adrian Falk blickte nicht zur Tür.

Seine Augen blieben auf Elena gerichtet, während der versiegelte Beweisbeutel mit dem vergifteten Glas zwischen ihnen auf dem Schreibtisch stand.

„Er hat uns genau dreißig Sekunden gegeben“, sagte er.

Dann öffnete sich die Tür.

Der Mann im dunkelblauen Sakko trat ein, als gehöre ihm nicht nur der Raum, sondern auch jede Erklärung, die darin ausgesprochen werden durfte.

Sein Gesicht war entspannt, sein Lächeln beinahe herzlich.

Nur seine rechte Hand blieb tief in der Jackentasche.

„Adrian“, sagte er.

„Die Gäste fragen nach dir.“

Sein Blick wanderte zu Elena.

„Und die Aushilfe sollte längst wieder arbeiten.“

Elena erkannte sofort, dass er ihre Anwesenheit nicht als Zufall betrachtete.

Er wusste, dass sie ihn gesehen hatte.

Vielleicht hatte er es schon auf der Terrasse begriffen, als Adrian eine versiegelte Flasche verlangte.

Vielleicht erst, als Elena verschwunden war.

Adrian schob den Beweisbeutel über den Tisch.

Das Glas glitt unter die Schreibtischlampe.

Der Whiskey darin bewegte sich kaum.

„Vincent“, sagte Adrian ruhig.

„Erklär mir, warum ein Gast versucht hat, mir daraus einen Drink servieren zu lassen.“

Damit hatte Elena einen Namen.

Vincent Falk.

Adrians jüngerer Halbbruder, wie sie später erfahren sollte.

Vorsitzender der familieneigenen Stiftung, Liebling der Boulevardpresse und das freundliche Gesicht der Falk-Gruppe.

Auf den Fotos lächelte er neben Kinderkliniken, Wohltätigkeitsgalas und Politikern.

Niemand hätte ihn mit einem winzigen Giftfläschchen in Verbindung gebracht.

Vincent lachte leise.

„Du hast eine Kellnerin in dein Büro geholt und veranstaltest jetzt ein Verhör?“

„Meine Sicherheitsleute fanden an dem Glas zwei klare Fingerabdrücke“, sagte Adrian.

„Elenas gehören nicht dazu.“

Für einen Augenblick erstarrte Vincents Gesicht.

Es war kaum mehr als ein Zucken am Kiefer, aber Elena sah es.

Dann kehrte das Lächeln zurück.

„Seit wann glaubst du Fremden mehr als deiner Familie?“

In Elenas Schürzentasche vibrierte ihr Handy.

Sie wollte es ignorieren.

Doch Vincent sah kurz auf die Tasche und dann wieder in ihr Gesicht.

Das genügte.

Elena zog das Telefon heraus.

Eine unbekannte Nummer hatte ihr ein Foto geschickt.

Darauf stand ihre Mutter vor der Tür des kleinen Wohnhauses, in dem Elena aufgewachsen war.

Das Bild war aus einem parkenden Wagen aufgenommen worden.

Der Zeitstempel zeigte weniger als eine Minute zuvor.

Unter dem Foto stand nur ein Satz.

Schweig, oder sie trinkt als Nächste.

Elenas Magen zog sich zusammen.

Sie hob den Blick.

Vincent lächelte noch immer.

Adrian bemerkte die Veränderung in ihrem Gesicht.

„Was ist passiert?“

„Nichts.“

„Zeigen Sie mir das Telefon.“

„Nein.“

Vincent hob spöttisch eine Augenbraue.

„Sie scheint dir nicht besonders zu vertrauen.“ Adrian stand auf.