„Richard, schließen Sie bitte die Türen zum Ballsaal.“
Der General Manager des Grand Regent Hotels blieb reglos zwischen zwei Investoren stehen.
Hinter ihm drang Musik aus dem festlich beleuchteten Saal, Gläser klirrten, Kellner bewegten sich mit silbernen Tabletts durch die Menge.
Vor ihm hielt Ethan Vance seine schlafende Tochter im Arm und zeigte ihm auf dem Telefon eine Aufnahme aus der Lobbykamera.
Patricia stand hinter dem Empfangstresen.
Die Schlüsselkarte, die ihr aus der Hand gefallen war, lag noch immer auf dem Marmor.
Karla hatte die Arme nicht länger verschränkt.
Ihre Finger lagen jetzt flach auf der Tischkante, als müsste sie sich festhalten.
Richard zwang sich zu einem Lächeln.
„Ethan, ich wusste nicht, dass Sie heute anreisen.“
„Das war der Sinn meines Besuchs.“
Lily bewegte sich an Ethans Schulter.
Er legte die Hand auf ihren Rücken und wartete, bis ihr Atem wieder ruhig wurde.
Richard warf einen Blick zu den Gästen in der Lobby.
Einige hatten ihre Telefone herausgeholt.
Andere taten so, als würden sie nichts sehen, beobachteten aber jede Bewegung.
„Vielleicht sollten wir das in meinem Büro besprechen“, sagte er leise.
„Nein.“
Ethan sagte es nicht laut.
Gerade deshalb wirkte das Wort wie eine geschlossene Tür.
„Meine Tochter wurde hier öffentlich gedemütigt.
Lupita wurde vor allen zurechtgewiesen, weil sie helfen wollte.
Patricia und Karla haben sich sicher genug gefühlt, das vor Gästen zu tun.
Also klären wir zumindest den Anfang dort, wo es passiert ist.“
Richard sah zum Sicherheitschef, der am Eingang des Ballsaals stand.
„Schließen Sie die Türen“, befahl er schließlich.
Die schweren Flügeltüren glitten zu.
Die Musik wurde dumpf.
Im selben Moment schien die Luft in der Lobby dichter zu werden.
Ethan legte sein Telefon auf den Tresen.
Das Video lief ohne Ton.
Man sah ihn ankommen, Lily im Arm, die Rosen in der Hand.
Man sah Patricias Blick über seine Kleidung gleiten.
Karlas spöttisches Lächeln.
Lupita, die aus der Seitentür kam.
Man sah, wie Ethan fast elf Minuten lang stehen gelassen wurde.
Patricia beugte sich vor.
„Mr.
Vance, ich versichere Ihnen, das war ein Missverständnis.“
Ethan sah auf die Zeitanzeige des Videos.
„Ein Missverständnis dauert Sekunden.
Das hier dauerte elf Minuten und vierzehn Sekunden.“
„Wir waren ausgebucht“, sagte Karla schnell.
„Die Systeme sind heute überlastet.
Wegen der Gala—“
„Sie haben das System erst vollständig geprüft, nachdem Lupita Ihnen den richtigen Reiter genannt hat.“
Karla öffnete den Mund, doch Ethan hob nur leicht die Hand.
„Und bevor Sie davon wussten, haben Sie entschieden, dass meine Tochter und ich nicht hierherpassen.“
Eine Frau nahe dem Aufzug senkte beschämt den Blick.
Sie hatte Karlas Bemerkung gehört und geschwiegen.
Patricia presste die Lippen zusammen.
„Ich gebe zu, dass meine Formulierung unangebracht war.“
„Welche?“ fragte Ethan.
„Die mit dem billigen Motel? Oder die mit den traurigen Blumen?“
Patricia antwortete nicht.
Lupita stand noch neben dem Gepäckwagen.