Arthur öffnete die Datei.
Sarah erschien auf dem Bildschirm.
Sie saß in einem schlichten Zimmer, trug einen grauen Pullover und sah deutlich älter aus als auf dem Polaroid.
Ihre Wangen waren schmal.
Unter ihren Augen lagen dunkle Schatten.
Trotzdem war ihre Stimme ruhig.
“Arthur, falls du das siehst, hat Emma dich gefunden.
Das bedeutet wahrscheinlich, dass ich mein Versprechen nicht mehr selbst einlösen konnte.”
Arthur spürte, wie sich etwas in seiner Brust zusammenzog.
Sarah blickte direkt in die Kamera.
“Du sollst wissen, dass ich dich nicht verlassen wollte.
Dein Vater ließ mir gefälschte Fotos zeigen.
Darauf sah es so aus, als würdest du eine andere Frau heiraten.
Dann sagte er mir, du hättest unser Kind als Risiko bezeichnet.
Ich glaubte ihm nicht.
Deshalb wollte ich zu dir.”
Im Video senkte Sarah kurz den Blick.
“Auf dem Weg zu deinem Büro wurde ich von zwei Männern aufgehalten.
Sie brachten mich in ein Hotelzimmer.
Dort wartete Conrad.”
Das Bild wechselte.
Offenbar hatte Sarah ihre Kamera versteckt.
Die Aufnahme war schräg, aber Conrad war eindeutig zu erkennen.
Er stand am Fenster eines Hotelzimmers und hielt einen Umschlag in der Hand.
Seine Stimme erklang aus den Lautsprechern des Tablets.
“Nimm das Geld und verschwinde.
Arthur wird dich in wenigen Monaten vergessen.”
Sarahs Stimme war außerhalb des Bildes zu hören.
“Er hat ein Recht zu erfahren, dass er Vater wird.”
“Arthur hat ein Recht auf eine saubere Zukunft.
Du bist keine Zukunft.
Du bist eine Phase.”
“Und wenn ich ablehne?”
Conrad trat näher an die Kamera.
“Dann sorge ich dafür, dass dein Kind ohne Mutter aufwächst.”
Emma zuckte zusammen.
Arthur stoppte das Video.
Niemand im Restaurant sprach.
Conrads erster Anwalt klappte seine Aktentasche zu.
“Ich werde Sie ab diesem Moment nicht mehr vertreten”, sagte er.
Der zweite Anwalt folgte ihm nicht sofort, aber sein Gesicht verriet, dass er dieselbe Entscheidung erwog.
Conrad hob das Kinn.
“Eine heimliche Aufnahme in einem Hotelzimmer.
Wahrscheinlich manipuliert.
Arthur, du wirst doch nicht zulassen, dass ein totes Dienstmädchen und ein Kind unser Unternehmen zerstören.”
Emma sah ihn an.
“Meine Mama war kein Dienstmädchen.”
“Für Männer wie ihn war jeder Mensch ein Dienstbote”, sagte Arthur.
Es war das erste Mal, dass er seinen Vater öffentlich nicht mit Vater, sondern mit Distanz betrachtete.
Conrad wandte sich an ihn.
“Denk an den Vorstand.
Denk an die Banken.
Denk an den Namen, den ich für dich aufgebaut habe.”
Arthur blickte auf die Kündigungsunterlagen, die noch immer neben dem Tablet lagen.
Fünfhundert Namen.
Fünfhundert Menschen, die er an diesem Morgen nur als Kostenstelle betrachtet hatte.