Plötzlich sah er die Verbindung.
Conrad hatte Sarah entfernt, weil sie nicht in seine Bilanz passte.
Er hatte eine ungeborene Enkelin ausgelöscht, weil sie seine Pläne störte.
Und Arthur hatte dieselbe Kälte übernommen, Unterschrift für Unterschrift.
“Du hast den Namen nicht für mich aufgebaut”, sagte Arthur.
“Du hast Menschen darunter begraben.”
Conrads Augen verengten sich.
“Pass auf, was du sagst.”
“Nein.
Du passt jetzt auf.”
Arthur nahm sein Telefon und rief die Leiterin der Rechtsabteilung der Sterling Group an.
Er ließ sie ebenfalls auf Lautsprecher stellen.
“Sofortige außerordentliche Vorstandssitzung”, sagte er.
“Thema: Suspendierung von Conrad Sterling wegen des Verdachts auf Erpressung, Urkundenfälschung, Bestechung und Behinderung familiärer Rechte.
Sichern Sie sämtliche Archive, Konten und Kommunikationsdaten aus den vergangenen zehn Jahren.
Niemand vernichtet etwas.”
Conrad schlug mit der flachen Hand auf den Tisch.
Das Besteck sprang klirrend gegen die Teller.
Emma wich zurück, doch Marcus stellte sich schützend vor sie.
“Du hast keine Mehrheit”, sagte Conrad.
Arthur sah zu Elena Roths Namen auf dem Telefon.
“Vielleicht nicht.
Aber Sarah offenbar schon.”
Elena verstand sofort.
“Im Schließfach liegt noch etwas”, sagte sie.
“Ein unwiderruflicher Treuhandvertrag.
Sarah erhielt vor sieben Jahren von Ihrer Großmutter, Beatrice Sterling, zwölf Prozent der stimmberechtigten Familienanteile.”
Conrad wurde vollkommen still.
Arthur kannte diese Anteile.
Nach dem Tod seiner Großmutter waren sie angeblich an eine anonyme Stiftung gefallen.
Zwölf Prozent reichten, zusammen mit Arthurs eigenem Paket, um Conrad die Kontrolle zu entziehen.
“Großmutter kannte Sarah?”, fragte Arthur.
“Sehr gut”, sagte Elena.
“Sie wusste von der Schwangerschaft.
Sie traute Conrad nicht und wollte das Kind schützen.
Die Anteile sollten bis zu Emmas achtzehntem Geburtstag treuhänderisch verwaltet werden.
Nach Sarahs Tod geht das Stimmrecht vorübergehend an Emmas gesetzlichen Vormund.
Sarah bestimmte für diesen Fall mich – bis ein Gericht über die Vaterschaft und das Sorgerecht entscheidet.”
Conrad trat auf das Telefon zu.
“Dieser Vertrag ist ungültig.”
“Das haben drei unabhängige Kanzleien anders bestätigt”, erwiderte Elena.
“Und ich habe vor zehn Minuten gemeinsam mit Arthur die notwendige Stimmenmehrheit erreicht, um Sie vorläufig von allen Funktionen zu suspendieren.”
Conrad sah Arthur an, als hätte er ihn zum ersten Mal nicht als Sohn, sondern als Gegner erkannt.
“Du würdest mich wegen eines Kindes vernichten, das vielleicht nicht einmal deins ist?”
Arthur antwortete nicht sofort.
Er ging in die Hocke, sodass er auf Augenhöhe mit Emma war.
“Ich werde einen Test machen lassen”, sagte er.
“Nicht weil ich dir nicht glaube.
Sondern weil niemand später behaupten soll, du hättest kein Recht auf die Wahrheit.”
Emma nickte.
“Mama sagte, Wahrheit braucht manchmal Papier, damit reiche Leute sie nicht wegreden können.”
Marcus senkte kurz den Kopf, um sein Lächeln zu verbergen.
Conrad setzte zu einer weiteren Drohung an, doch die Türen zum Restaurant öffneten sich.
Elena Roth trat ein, begleitet von zwei Ermittlern der Staatsanwaltschaft und einer Frau vom Jugendamt.
Emma erstarrte beim Anblick der Ausweise.
Elena zog ihren Mantel aus und ging direkt zu ihr.