Das rote LIVE-Symbol blinkte auf Noras Handy, während zwei Polizisten in der Küchentür standen und versuchten, in wenigen Sekunden zu verstehen, was vor ihnen lag.
Ich lag auf den Fliesen, beide Arme um meinen Bauch gelegt.
Neben mir lagen die zerbrochenen Teile meines Telefons.
Victor hielt noch den Holzstock in der Hand.
Helena stand vor dem Tisch, Raúl neben dem Fenster, und Nora kniete so dicht bei ihrem Handy, als könnte sie die vergangenen Minuten mit bloßen Fingern aus dem Gerät reißen.
Hinter den Beamten stand mein Bruder Alex.
Er war regennass.
Sein Brustkorb hob und senkte sich schnell, doch seine Stimme blieb ruhig.
„Nimm deine Hand von meiner Schwester.“
Victor ließ meine Haare los und sprang zurück.
Für einen Moment sah ich echte Angst in seinem Gesicht.
Dann setzte das ein, was er am besten konnte: Er verwandelte sich.
Seine Schultern sanken.
Seine Stimme wurde weich.
Der Mann mit dem Stock verschwand, und an seine Stelle trat der besorgte Ehemann, den Nachbarn und Kollegen kannten.
„Gott sei Dank sind Sie da“, sagte er zu den Polizisten.
„Meine Frau ist gestürzt.
Sie ist seit Wochen emotional instabil.
Wir wollten ihr helfen, aber sie hat plötzlich angefangen zu schreien.“
Helena reagierte sofort.
„Es stimmt“, sagte sie.
„Wir haben große Angst um das Baby.
Sie weigert sich, zum Arzt zu gehen.“
Raúl nickte ernst.
„Der Stock stand dort drüben.
Niemand hat sie damit berührt.“
Einer der Beamten nahm Victor den Stock ab.
Der andere kniete sich neben mich, ohne mich anzufassen.
„Können Sie mich hören?“
Ich nickte.
„Hat jemand Sie geschlagen?“
Victor antwortete für mich.
„Sie ist verwirrt.“
Der Polizist drehte den Kopf.
„Ich habe nicht mit Ihnen gesprochen.“
Zum ersten Mal an diesem Morgen schwieg Victor.
„Er hat mich geschlagen“, flüsterte ich.
„Mit dem Stock.
Seine Mutter hat ihn dazu aufgefordert.“
Helena stieß einen empörten Laut aus.
„Was für eine abscheuliche Lüge!“
Alex zog seine Jacke aus und legte sie vorsichtig über meine Schultern.
Seine Hände zitterten.
Nicht vor Angst, sondern vor der Anstrengung, Victor nicht anzufassen.
„Ihre Nachricht kam um 5.17 Uhr“, sagte er zum Beamten.
„Nur zwei Worte: Hilfe.
Bitte.
Wir hatten vereinbart, dass ich in diesem Fall sofort die Polizei rufe.“
Victor lachte nervös.
„Eine Familienabsprache beweist überhaupt nichts.“
Da fiel der Blick des zweiten Polizisten auf Noras Handy.
Sie hatte es aufgehoben und tippte hektisch auf den Bildschirm.
„Legen Sie das Telefon auf den Tisch“, sagte er.
„Es gehört mir.“
„Auf den Tisch.“
Nora gehorchte.