»Mrs.
Collins hat uns das vollständige Video geschickt.
Wir müssen mit Ihrem Mann und seiner Mutter sprechen.«
Evelyn trat in die Eingangshalle.
»Sie können mit unserem Anwalt sprechen.
Sie befinden sich auf Privatgrund.«
»Auf meinem Privatgrund«, sagte ich.
Ich öffnete die Schublade der Konsole und holte die Eigentumsurkunde heraus.
Nach Jahren mit Evelyn hatte ich mir angewöhnt, wichtige Dokumente in Griffweite zu behalten.
Mason warf einen Blick darauf.
»Dann entscheidet Mrs.
Brooks, wer bleiben darf.«
Evelyn drehte sich zu mir.
Ihr Gesicht zeigte zum ersten Mal keine Verachtung, sondern Berechnung.
Sie versuchte abzuschätzen, wie viel ich wusste.
Reyes stellte den Koffer auf den Esstisch und nahm einen versiegelten Plastikbeutel heraus.
Darin lag ein halb geschmolzener Rauchmelder.
»Dieser Melder hing im Flur vor dem Schlafzimmer Ihrer Eltern«, erklärte er.
»Das Feuer hat das Gehäuse beschädigt.
Es hat aber nicht die Batterien entfernt.«
Er legte einen zweiten Beutel daneben.
Darin befanden sich zwei dunkle Batterien.
»Wir fanden sie in der Mülltonne hinter dem Haus, unter einer Einkaufstüte.
Auf beiden befinden sich verwertbare Fingerabdrücke.«
Ethan lachte zu laut.
»Ich war oft in diesem Haus.
Natürlich könnten meine Fingerabdrücke irgendwo sein.«
»Nicht irgendwo«, sagte Mason.
»Auf den Batterien, die in der Brandnacht aus dem Rauchmelder genommen wurden.«
Evelyn griff nach Ethans Arm.
»Sag nichts mehr.«
Mason bemerkte die leere Urne auf dem Badezimmerboden und meine Mutter, die sich an der Wand festhielt.
Sein Blick wanderte zu den Ascheresten am Rand der Toilettenschüssel.
»Was ist hier passiert?«
Meine Mutter konnte nicht antworten.
Also erzählte ich es ihm.
Ruhig.
Satz für Satz.
Dass Evelyn die Urne genommen hatte.
Dass sie meine Mutter gestoßen hatte.
Dass Ethan mich festgehalten hatte.
Dass Evelyn die Asche meines Vaters in die Toilette geschüttet und hinuntergespült hatte.
Ethan unterbrach mich.
»Das war ein Familienstreit.
Mach daraus keine Straftat.«
Mason sah ihn lange an.
»Das bestimmen nicht Sie.«
Dann bat er uns, uns an den Tisch zu setzen.
Reyes öffnete seinen Bericht.
Die Brandspuren zeigten, dass das Feuer nicht, wie zunächst angenommen, durch einen Kurzschluss entstanden war.
Es hatte im Arbeitszimmer meines Vaters begonnen, direkt neben dem Aktenschrank.
Auf dem Holzboden und an den Resten eines Teppichs waren Rückstände eines flüssigen Brandbeschleunigers gefunden worden.
Die Substanz passte zu gereinigtem Lampenöl, das in Metallkanistern für Gartenfackeln verkauft wurde.
Mrs.
Collins hatte der Polizei zusätzlich erzählt, Evelyn habe am Abend vor dem Brand in einem Baumarkt außerhalb von Ashford einen solchen Kanister gekauft.
Die Ermittler hatten die Überwachungsvideos des Geschäfts bereits angefordert.