Marco wurde wegen Mordverschwörung, Bestechung, Erpressung, Entführung und zahlreicher weiterer Delikte zu lebenslanger Haft verurteilt.
Reeves erhielt eine mehrjährige Freiheitsstrafe und verlor sämtliche Titel und Pensionsansprüche.
Mehrere Verfahren gegen Beamte und Richter folgten.
Die Moretti-Familie blieb jedoch nicht unberührt.
Luca übergab den Behörden Bücher, Konten und Namen aus dem Netzwerk seines Vaters.
Er verlor Gebiete, Unternehmen und Männer, die ihm Treue geschworen hatten.
Einige nannten ihn einen Verräter.
Andere versuchten, die entstandene Leere zu nutzen.
Er hätte weiterkämpfen können.
Stattdessen verkaufte er die illegalen Beteiligungen, schloss mehrere Geschäfte und überführte die legitimen Firmen in eine kontrollierte Holding.
Einen Teil des Vermögens legte er in einen Entschädigungsfonds für Familien, die durch die Geschäfte seines Vaters geschädigt worden waren.
Nina erfuhr davon nicht aus der Presse.
Eines Morgens lag ein Umschlag vor ihrer Wohnungstür.
Darin befand sich die Besitzurkunde des alten Castellano-Hauses, das nach dem Tod ihres Vaters an eine Moretti-Firma gefallen war.
Auf einem beigefügten Blatt stand nur ein Satz.
Was meiner Familie nie gehörte, soll zu deiner zurückkehren.
Nina fuhr noch am selben Tag zu dem Haus.
Die Fensterläden waren verwittert, der Garten überwuchert, und im Flur roch es nach Staub und altem Holz.
Doch an der Wand neben der Küche entdeckte sie noch die Kerben, mit denen ihr Vater jedes Jahr ihre Größe markiert hatte.
Luca wartete draußen am Tor.
„Du hättest hereinkommen können“, sagte sie.
„Ich wusste nicht, ob ich willkommen bin.“
„Das weiß ich auch noch nicht.“
Er nickte.
„Fair.“
Sie setzte sich auf die vordere Stufe.
Nach einem Moment setzte er sich neben sie, mit genug Abstand, um ihr die Entscheidung zu lassen.
„Hast du alles verloren?“ fragte Nina.
„Nein.“
„Was ist übrig?“
Luca sah auf seine Hände.
„Ein paar Firmen.
Weniger Freunde.
Mehr Feinde.
Und zum ersten Mal seit langer Zeit die Möglichkeit, selbst zu entscheiden, was ich mit meinem Namen mache.“
Nina dachte an ihren Vater.
An den Brief.
An die Jahre, in denen Hass ihr einziger fester Besitz gewesen war.
„Ich wollte dich vernichten“, sagte sie.
„Ich weiß.“
„Manchmal will ich es immer noch.“
„Auch das weiß ich.“
„Und trotzdem hast du mir das Haus zurückgegeben.“
„Es war nie meines.“
Sie sah ihn an.
„Dein Vater hätte das nicht gesagt.“
„Ich bin nicht mein Vater.“
Zum ersten Mal glaubte sie ihm nicht nur mit dem Verstand.
In den folgenden Monaten ließ Nina das Haus renovieren.
Aus dem Erdgeschoss wurde eine Beratungsstelle für Familien, die durch organisierte Kriminalität, korrupte Behörden oder verschwundene Angehörige alles verloren hatten.
Anthony übernahm nach seiner Genesung die rechtliche Leitung.
Elena Vargas vermittelte Fälle, bei denen offizielle Stellen versagt hatten.
Luca spendete Geld, ohne seinen Namen auf irgendeine Tafel setzen zu lassen.
Er kam selten vorbei.
Wenn er kam, brachte er Unterlagen, Kontakte oder Kaffee.
Nie Blumen.