Hinter der verschlossenen Tür wurde eine zweite Waffe entsichert.
Das Geräusch war leise, aber Sarah erkannte es sofort.
Metall glitt über Metall.
Ein kontrollierter Atemzug folgte.
Wer auch immer auf dem Flur stand, war kein panischer Eindringling.
Er war ausgebildet.
Admiral Thomas Grayson hob eine Hand und bedeutete allen im Zimmer, still zu bleiben.
Die rote Notbeleuchtung warf harte Schatten über sein Gesicht.
Dr.
Richard Albeck stand an der Wand und starrte auf den verletzten Sicherheitsmann, der halb im Türrahmen lag.
Blut sickerte durch dessen Hemd, doch seine Augen waren geöffnet.
Sarah kniete sich neben ihn.
„Durchschuss an der Schulter“, sagte sie.
„Keine Arterie.“
„Sie können das aus dieser Entfernung sehen?“, flüsterte Albeck.
Sarah riss einen Stoffstreifen aus ihrem bereits beschädigten Ärmel und presste ihn auf die Wunde.
„Ich kann es sehen, weil er noch mit uns streitet.“
Der Mann verzog das Gesicht.
„Ich streite nicht.“
„Gut.
Dann drücken Sie hier.“
Aus dem Funkgerät auf dem Boden kam wieder die Stimme.
„Captain Hayes, der Schlüssel.“
Sarah erstarrte nicht.
Sie wurde nur stiller.
Drei Jahre waren vergangen, doch die Stimme hatte sich kaum verändert.
Ruhig.
Höflich.
Fast freundlich.
Genau so hatte Colonel Nathan Mercer damals aus der Einsatzzentrale gesprochen, als ihr Hubschrauber im Hindu Kush an Höhe verlor.
„Halten Sie durch“, hatte er gesagt.
„Die Bergung ist unterwegs.“
Sie hatte ihm geglaubt.
Der Hubschrauber war nie gekommen.
Grayson griff nach dem Funkgerät.
„Mercer?“
Kurzes Schweigen.
Dann ein leises Lachen.
„Admiral.
Sie hätten sich aus dieser Sache heraushalten sollen.“
Graysons Gesicht verhärtete sich.
„Sie sind offiziell seit acht Monaten im Ruhestand.“
„Offizielle Geschichten scheinen heute Abend nicht besonders zuverlässig zu sein.“
Sein Blick fiel auf Sarah.
Sie hielt den kleinen Metallschlüssel noch immer zwischen zwei Fingern.
Die eingravierte Nummer war kaum größer als ein Fingernagel, doch Grayson kannte sie.
Jeder hochrangige Offizier, der während des Afghanistan-Einsatzes in Bagram gearbeitet hatte, kannte das System der gesicherten Schließfächer.
Dort wurden persönliche Datenträger, Einsatzprotokolle und Beweismittel verwahrt, die nicht über gewöhnliche militärische Netze verschickt werden durften.
„Was liegt darin?“, fragte Grayson.
„Das Originalprotokoll des letzten Funkverkehrs“, antwortete Sarah.
„Die Flugroute.
Die manipulierten Koordinaten.
Und ein Video, das einer unserer Techniker aufgenommen hat, bevor wir gestartet sind.“
Der Militärjurist neben ihm wurde bleich.
„Warum wurde das nie gemeldet?“
Sarah sah ihn an.