Skip to content
Der Brief, der Valeries Schuld für immer zerstörte / Chapter 4 / 10

Chapter 4 — Der Brief, der Valeries Schuld für immer zerstörte

4.9Editorial score

Keine Verteidigung.

Keine Erklärung, die sich als Entschuldigung verkleiden wollte.

Nur Nicken.

„Es tut mir leid“, sagte er.

Diese drei Wörter kamen so spät, dass sie keinen Zauber mehr hatten.

Aber sie waren ehrlich.

Ich faltete den Brief nicht wieder zusammen.

Ich ließ ihn offen auf dem Tisch liegen.

„Hat sie je versucht, uns zu sehen?“ fragte Sophie.

Dad zog ein altes Gummiband aus der Plastiktüte und holte darunter zwei weitere Sachen hervor: eine Postkarte ohne Text und eine Visitenkarte eines Schönheitssalons.

Pat’s Beauty Room.

Philadelphia.

Patricia hatte sogar ihren Namen gekürzt, als sei die Vergangenheit zu lang gewesen, um sie mitzunehmen.

„Einmal“, sagte er.

„Nicht richtig.

Sie rief an, als Valerie sechzehn war.

Sie wollte wissen, ob ihr wütend seid.“

Marisol lachte kurz auf.

Es war kein echtes Lachen.

„Was für eine Frage.“

„Ich sagte ja.“

„Und?“

„Dann sagte sie, Kinder beruhigen sich.“

Sophie schlug mit der flachen Hand auf den Tisch.

Der Kuchen sprang auf dem Teller.

„Sie hat gewartet, bis wir uns beruhigen?“

Dad sagte nichts.

Ich nahm die Visitenkarte.

Die Nummer war alt, aber vielleicht noch aktiv.

Der Salonname kam mir bekannt vor, weil irgendein Gerücht aus unserer Nachbarschaft ihn vor Jahren zu uns getragen hatte.

Pat hatte Erfolg.

Pat hatte ein neues Leben.

Pat hatte vielleicht ein weiteres Kind.

Pat hatte den Vorteil, dass niemand in Philadelphia in unserer Küche gestanden hatte, als der rote Koffer an mir vorbeiging.

Ich holte mein Handy heraus.

Dad richtete sich auf.

„Was machst du?“

„Ich rufe sie an.“

„Valerie, du musst das nicht heute tun.“

„Ich musste zwölf Jahre lang gestern leben.

Heute reicht.“

Die Nummer klingelte fünfmal.

Dann meldete sich eine Frauenstimme, geschäftlich, glatt, vertraut genug, dass mein Magen sich zusammenzog.

„Pat’s Beauty Room, Patricia.“

Keiner in der Küche atmete.

Ich sagte: „Hallo, Mom.“

Am anderen Ende entstand eine Pause, so lang, dass ich dachte, sie würde auflegen.

Dann sagte sie: „Valerie?“

Nicht Val.

Nie Val.

„Ja.“

„Wie hast du diese Nummer bekommen?“

Ich sah auf den Brief.

„Aus derselben Tüte wie dein Mietvertrag.“

Wieder Stille.

Diesmal war sie anders.