Dad sah auf seine Hände.
„Ich habe gekämpft.
Nur nicht so, dass ihr es sehen konntet.
Ich war beim Anwalt.
Ich habe beantragt, dass ihr bei mir bleibt.
Patricia ist nicht erschienen.
Sie schickte nur eine Erklärung, dass sie auf regelmäßigen Umgang verzichtet, bis sie stabil sei.“
Sophie lachte bitter.
„Bis sie stabil sei.“
„Ich wollte, dass ein Richter ihr sagt, was sie getan hat“, sagte Dad.
„Aber irgendwann musste ich entscheiden, ob ich meine Kraft vor Gericht lasse oder zu Hause bei euch.“
Ich wollte wütend auf ihn bleiben.
Ein Teil von mir war es.
Liebe löscht nicht automatisch aus, was Schweigen angerichtet hat.
Aber ich sah auch den Mann, der mit drei Mädchen, zwei Jobs und gebrochenem Herzen versucht hatte, aus Trümmern einen Tagesplan zu bauen.
Am Samstag fuhren wir nach Philadelphia.
Nicht, weil Patricia es verdient hatte, dass wir kamen.
Sondern weil ich den Ort sehen wollte, der angeblich stärker gewesen war als wir.
Der Salon lag in einer schmalen Straße, zwischen einem Nagelstudio und einer Bäckerei.
Auf dem Fenster stand Pat’s Beauty Room in goldenen Buchstaben.
Drinnen roch es nach Haarspray und heißem Glätteisen.
Patricia stand hinter der Kasse.
Sie war älter.
Natürlich war sie das.
Aber nicht so, wie ich sie mir vorgestellt hatte.
In meinen Erinnerungen war sie entweder die schöne Frau mit dem roten Koffer oder die grausame Stimme hinter einer geschlossenen Tür.
Jetzt war sie eine gepflegte Frau mit angespanntem Lächeln, die zu lange brauchte, um zu erkennen, dass die Vergangenheit hereingekommen war.
Neben ihr stand Richard Miller.
Graues Haar, teure Uhr, unruhige Augen.
Eine junge Mitarbeiterin sah von einem Frisierstuhl auf.
Eine Kundin blätterte nicht mehr in ihrer Zeitschrift.
Patricia kam um die Kasse herum.
„Das ist kein guter Zeitpunkt.“
Ich sah mich um.
„Für die Wahrheit war es bei dir nie ein guter Zeitpunkt.“
Ihre Wangen wurden rot.
„Nicht hier.“
„Doch“, sagte Sophie.
Dad blieb hinter uns, nicht aus Schwäche, sondern weil er verstand, dass dieser Moment nicht ihm gehörte.
Marisol legte eine Mappe auf den Tresen.
Darin lagen Kopien des Mietvertrags, des Briefes und der Erklärung, mit der Patricia damals auf regelmäßigen Umgang verzichtet hatte.
Patricia starrte auf die Blätter.
Richard griff danach.
„Das ist privat.“
Marisol schlug seine Hand weg.
Nicht hart.
Nur klar genug.
„So privat wie ein Parkplatz zwischen zwei Trucks?“
Die Kundin hob die Augenbrauen.
Die Mitarbeiterin tat, als sortiere sie Kämme, hörte aber jedes Wort.
Patricia zischte: „Ihr wollt mich demütigen.“ Ich schüttelte den Kopf.
„Nein.
Du hast mich damals gedemütigt.
Vor meinen Schwestern.
In meinem eigenen Wohnzimmer.
Heute lege ich nur zurück, was dir gehört.“