Nicht überrascht.
Ertappt.
„Ich weiß nicht, wovon du sprichst.“
„Philadelphia.
Richard Miller.
Neunzehn Tage vor dem Parkplatz.“
Marisol legte mir eine Hand auf die Schulter.
Sophie stand neben mir, als wolle sie durch das Telefon springen.
Patricia atmete scharf aus.
„Dein Vater hatte kein Recht, alte Dinge aufzubewahren.“
Da war sie.
Nicht Reue.
Nicht Scham.
Besitzanspruch.
„Du hast mir gesagt, es sei meine Schuld.“
„Du warst ein Kind.
Du hast nicht verstanden, was zwischen Erwachsenen passiert.“
„Ich habe verstanden, dass du gegangen bist.“
„Ich bin nicht einfach gegangen.“ Ihre Stimme wurde fester, als hätte sie diese Version oft genug geübt.
„Dein Vater hat mich in diesem Haus erstickt.
Er hat euch gegen mich benutzt.“
Mein Vater schloss die Augen.
Ich legte das Handy auf Lautsprecher und stellte es mitten auf den Tisch.
„Sag das nochmal“, sagte ich.
Patricia merkte zu spät, dass die Küche nicht nur aus mir bestand.
„Wer ist da?“ fragte sie.
Sophie beugte sich über das Telefon.
„Deine Tochter, die du auf die Stirn geküsst hast, bevor du an Val vorbeigegangen bist.“
Marisol sagte: „Und die andere, deren Haare du gestreichelt hast, damit du nicht ganz wie ein Monster aussiehst.“
Das Wort traf.
Man hörte es am Atem.
„Ihr habt keine Ahnung, was ich durchgemacht habe“, sagte Patricia.
„Dann erklär es“, sagte ich.
„Erklär den Mietvertrag.
Erklär den Brief.
Erklär, warum du geschrieben hast, dass ich zu viel sehe.“
„Weil du es getan hast!“
Da war der Riss.
Die saubere Stimme brach auf.
„Du standest immer irgendwo“, fuhr sie fort.
„Immer mit diesen großen Augen.
Immer bereit, alles deinem Vater zu erzählen.
Ich konnte nicht einmal Luft holen in diesem Haus.“
Mein Herz schlug hart, aber nicht mehr panisch.
Es war ein anderes Schlagen.
Wie eine Tür, die von innen geöffnet wird.
„Ich war zwölf“, sagte ich.
„Alt genug, um still zu sein.“
Dad griff nach dem Telefon.
„Patricia.“
Ihre Stimme veränderte sich sofort.
Weicher, aber nicht wärmer.
Berechnender.
„Arthur.“
„Du hast unser Kind zwölf Jahre lang mit deinem Satz leben lassen.“ „Unser Kind?“ Sie lachte kurz.
„Du hast sie doch behalten.